Kata y Co – Bossa und No’was

Kata y Co
“Bossa und no' was”

Deutschland 2019
12 Tracks; 57:50 min
Herzog Records
www.hy-and.com/kata-y-co

 

Die russische Seele neigt zur Melancholie, die brasilianische ebenfalls. Die Sehnsucht ist in beiden Kulturen eine enge Vertraute. Vielleicht gelingt deshalb der Sprung Katharinas Mais aus der Metallurgiehochburg Kamenski-Ural im Süden des Uralgebirges in die temporeduzierte Tropenträgheit Brasiliens. Die klassisch ausgebildete Sängerin hat sich das brasilianische Portugiesisch angeeignet, das argentinische Spanisch und sich der swingenden Melancholie der Bossa Nova genauso hingebungsvoll ausgeliefert, wie dem Tango Argentino. Das Album “Bossa und no’was” ist die Veröffentlichung von neun brasilianischen und argentischen Kompositionen und zweier Adaptionen klassischer Stücke. Mehrere Kompositionen von Antonio Carlos Jobim finden Einzug ins Repertoire, ebenso ein Werk von Astor Piazzolla. Kata y Co, als Quartett mit der Sängerin, so wie einem Cello, einem Piano und einem Bass, interpretieren die Musik leicht und gefühlvoll, mit ein wenig Herzschmerz und viel Gelassenheit. Das Zusammenspiel von Gesang, Cello und Klavier erinnert etwas an das Morelenbaumquarett, das Anfang des neuen Jahrhunderts, damals mit einem Jobim-Sohn an der Geige und Ryuichi Sakamoto am Klavier, Jobims Klassiker neu auflegte. Zugegeben, so schön sich Katharina Mai auch in die brasilianische Seele hineinversetzt, der Originalmelancholie von Paula und Jacques Morelenbaum wird sich wohl kaum einer ebenbürtig zeigen können. Aber das Herz schwingt mit in den Liedern, die sich auf dem Album von Kata y Co finden. Etwas überzogen kommt dann ihre klassische Ausbildung zum tragen, wenn sie mit dem Titel “When I am Laid in Earth” dem Hörer tragikverliebt mit Henry Purcell kommt. Hier findet die CD ihr überraschendes Ende.

© Karsten Rube 2019 für Radio-Skala & Folkworld

Auf Radio-Skala ist die Musik von Kata Y Co in der Sendung Brasil zu hören.

Ronja bereist die Welt – Ein Songbook

Ronja Maltzahn
“Beautiful Mess”

Deutschland 2019
12 Tracks; 49:27 min
Timezone
www.ronja-maltzahn.de

 

Da kann ja eine was! Ronja Maltzahn aus Münster bereist die Welt und bringt Lieder mit. Wo andere Tagebuch schreiben, schreibt sie Songbooks. Und irgendwann müssen die an die Luft. Die transglobalen Lieder der jungen Münsteranerin erschienen nun auf ihrer Debüt-CD “Beautiful Mess”. Zwölf Lieder hat sie ausgewählt. Folkig, weltmusikalisch orientiert, leicht kammermusikalisch mit einem Hang zum Deutschpop. Eigentlich ist sie Solomusikerin: Gitarre, Cello, Klavier. Doch allein ist sie nie. Immer finden sich Musiker um sie herum ein und so ist auch diese Platte mit einer ganzen Blase von Musikern ausgestattet, die um sie herum schweben. Ronja mag Seifenblasen, besagt ein Artikel über sie. Deshalb müssen im Studio immer welche herumfliegen. Ob die Blasen neue Ideen freisetzen, wenn sie platzen, verrät sie nicht. Ronja singt mit Herz, häufig mit Sehnsucht. Als Vielreisende gehört das dazu. Mehrsprachig sowieso. Die Texte, solide Poesie, intoniert sie auf Deutsch, Französisch, Englisch, Spanisch, Italienisch und denkt darüber nach, auch was auf Arabisch zu singen. Leider habe ich kein Babelfisch im Ohr und das Booklet ist in Handschrift, einer ausgewiesen ausgeschriebenen Handschrift. Und so bleibt mir nur, ihre wunderbaren Lieder mit einem neidischen “Angeberin” zu genießen.
Erst später, nach dem Zuhören, entdecke ich, dass Ronja freundlicherweise ihre Website mit der Übersetzung aus der Handschrift ins Lesbare ausgestattet hat und zudem jeden Songtext zwischen jeder ihr zugänglichen Sprache, wandeln lassen kann. Das nenn ich mal einen Service.

© Karsten Rube 2019 für Radio-Skala & Folkworld

Auf Radio-Skala ist die Musik von Ronja Maltzahn in der Sendung World Day zu hören.

Marbl „The Flight of the Hawk“

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Marbl

“Flight of the Hawks”
Israel 2019
Helicon

Nachdem die in England lebende Israelin Marbl zum Jahreswechsel mehrere Singles aus ihrer EP "The Flight of the Hawks" vorveröffentlicht hat, erschien nun endlich das gesamte Produkt. Die Musik entstand, nach dem sich die Sängerin von einem Text von Paul Coelho beeindrucken ließ, in dem ein Falke sich auf den Wind legte und schwerelos dahinglitt. Fünf melodische Geschichten serviert uns Marbl, alle getragen von einem Gefühl der Zeitlosigkeit. Mal mit nostalgischer Note, mal alptraumartig, mal versonnen und nach Glück suchend. Musikalisch lässt sie sich ebenso treiben, wie der Falke, der der kurzen, aber hörenswerten EP den Titel gegeben hat.

Auf Radio-Skala sind Songs von Marbl bereits zu hören.

In der Maiausgabe der Neuvorstellungssendung "Frische Fische" gibt es noch mal zwei Songs aus der EP zu hören.

 

Wenn Küchengeister tanzen wollen – Spöket i Köket

Spöket I Köket “Château du Garage”
Skandinavien 2019
14 Tracks; 64:18 min
Go Danish Folk Music
www.spöketiköket.com

 

In gut genutzten Küchen spukt auch ein guter Geist, ein Geist, der inspiriert, improvisiert und manchmal inhaliert. Gefällige Gerüche, geschmackvolle Gerichte, gehaltvolle Getränke heilen Gemüt und Körper und der Genießer übergießt im günstigsten Fall den Küchengeist mit Applaus.  Geist in der Küche (Spöket i Köket) lautet auch der Name einer frischen Folkband, deren Mitglieder fast alle aus Skandinavien stammen, wobei man nicht unerwähnt lassen sollte, dass sich auch ein paar Belgier unter die Geister gemischt haben. Spöket i köket heißt das auf Schwedisch, wo die Kapelle derzeit ihre Gespenster parkt. Lange kalte Winter machen Küchen im Norden zum heimeligsten Ort im Haus. Dort - oder in einer gut ausgebauten Garage, wie der CD-Titel vermuten lässt - haben sich die Musiker wohl auch zusammengefunden, um die CD “Château du Garage” auszuhecken, ein musikalischer Leckerbissen, der mit Zutaten versehen wurde, die weit über Moltebeere, Smørrebrød und literweise warmgehaltenen Kaffee hinausgehen. Die Geister bringen eine folkloristische Grundlage auf den Tisch, runden das Gericht aber mit einem gehörigen Schuss aus der musikalischen Gewürzdose Quebecs ab. Das klassische frankokanadische Foottapping, garniert an schwedischem Hoppelpoppel ist ungemein belebend. Es ist ein großer Spaß sich vorzustellen, wie die Küchengeister im Polkaschritt um Tisch und Stuhl galoppieren, ordentlich eingeheizt von Geige, Flöte und diversen Bläsern. Die Arrangements sind wundervoll ausgeklügelt und mit einem enormen Instrumentenreichtum durchsetzt. Stile reichen sich die Hand, ohne sich aufzugeben. Die Folkmusik Quebecs, immer ein Garant für Spaß und Ausgelassenheit, gibt der oftmals durchscheinenden Melancholie der skandinavischen Volksmusik einen deutlichen Schubs in Richtung Hoffnung. Popanklänge sorgen für Modernität und bei allem hört man den Grundsatz des Jazz heraus, sich improvisatorisch überall hinzubewegen und doch nie die Grundlinie zu verlieren. “Château du Garage” ist Spaß auf höchstem musikalischem Niveau. Ich bin kein Freund von Vergleichen, à la “klingt wie…”, meine aber, wer nach dem Genuss dieses bemerkenswert ideenreichen Albums an den Plattenschrank schwebt und sich eine CD der kanadischen Kapelle La Bottine Souriante herausfischt, macht zumindest nichts falsch.

© Karsten Rube 2019 für Radio-Skala & Folkworld

Auf Radio-Skala ist die Musik von Spöket i Köket in der Sendung Nordlichter zu hören.