Marbl „The Flight of the Hawk“

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Marbl

“Flight of the Hawks”
Israel 2019
Helicon

Nachdem die in England lebende Israelin Marbl zum Jahreswechsel mehrere Singles aus ihrer EP "The Flight of the Hawks" vorveröffentlicht hat, erschien nun endlich das gesamte Produkt. Die Musik entstand, nach dem sich die Sängerin von einem Text von Paul Coelho beeindrucken ließ, in dem ein Falke sich auf den Wind legte und schwerelos dahinglitt. Fünf melodische Geschichten serviert uns Marbl, alle getragen von einem Gefühl der Zeitlosigkeit. Mal mit nostalgischer Note, mal alptraumartig, mal versonnen und nach Glück suchend. Musikalisch lässt sie sich ebenso treiben, wie der Falke, der der kurzen, aber hörenswerten EP den Titel gegeben hat.

Auf Radio-Skala sind Songs von Marbl bereits zu hören.

In der Maiausgabe der Neuvorstellungssendung "Frische Fische" gibt es noch mal zwei Songs aus der EP zu hören.

 

Wenn Küchengeister tanzen wollen – Spöket i Köket

Spöket I Köket “Château du Garage”
Skandinavien 2019
14 Tracks; 64:18 min
Go Danish Folk Music
www.spöketiköket.com

 

In gut genutzten Küchen spukt auch ein guter Geist, ein Geist, der inspiriert, improvisiert und manchmal inhaliert. Gefällige Gerüche, geschmackvolle Gerichte, gehaltvolle Getränke heilen Gemüt und Körper und der Genießer übergießt im günstigsten Fall den Küchengeist mit Applaus.  Geist in der Küche (Spöket i Köket) lautet auch der Name einer frischen Folkband, deren Mitglieder fast alle aus Skandinavien stammen, wobei man nicht unerwähnt lassen sollte, dass sich auch ein paar Belgier unter die Geister gemischt haben. Spöket i köket heißt das auf Schwedisch, wo die Kapelle derzeit ihre Gespenster parkt. Lange kalte Winter machen Küchen im Norden zum heimeligsten Ort im Haus. Dort - oder in einer gut ausgebauten Garage, wie der CD-Titel vermuten lässt - haben sich die Musiker wohl auch zusammengefunden, um die CD “Château du Garage” auszuhecken, ein musikalischer Leckerbissen, der mit Zutaten versehen wurde, die weit über Moltebeere, Smørrebrød und literweise warmgehaltenen Kaffee hinausgehen. Die Geister bringen eine folkloristische Grundlage auf den Tisch, runden das Gericht aber mit einem gehörigen Schuss aus der musikalischen Gewürzdose Quebecs ab. Das klassische frankokanadische Foottapping, garniert an schwedischem Hoppelpoppel ist ungemein belebend. Es ist ein großer Spaß sich vorzustellen, wie die Küchengeister im Polkaschritt um Tisch und Stuhl galoppieren, ordentlich eingeheizt von Geige, Flöte und diversen Bläsern. Die Arrangements sind wundervoll ausgeklügelt und mit einem enormen Instrumentenreichtum durchsetzt. Stile reichen sich die Hand, ohne sich aufzugeben. Die Folkmusik Quebecs, immer ein Garant für Spaß und Ausgelassenheit, gibt der oftmals durchscheinenden Melancholie der skandinavischen Volksmusik einen deutlichen Schubs in Richtung Hoffnung. Popanklänge sorgen für Modernität und bei allem hört man den Grundsatz des Jazz heraus, sich improvisatorisch überall hinzubewegen und doch nie die Grundlinie zu verlieren. “Château du Garage” ist Spaß auf höchstem musikalischem Niveau. Ich bin kein Freund von Vergleichen, à la “klingt wie…”, meine aber, wer nach dem Genuss dieses bemerkenswert ideenreichen Albums an den Plattenschrank schwebt und sich eine CD der kanadischen Kapelle La Bottine Souriante herausfischt, macht zumindest nichts falsch.

© Karsten Rube 2019 für Radio-Skala & Folkworld

Auf Radio-Skala ist die Musik von Spöket i Köket in der Sendung Nordlichter zu hören.

Der Klang des Mittsommers – Fjarill

Fjarill “Midsommar”
Deutschland/Schweden 2019
13 Tracks; 54:16 min
Butterfly Records
www.fjarill.de

Die CD “Midsommar” vom Duo Fjarill widmet sich dem Glück, wie es nur die Menschen im hohen Norden empfinden, die im Winter mehr Dunkelheit als anderswo aushalten müssen und deshalb die Helligkeit des kurzen Sommers umso intensiver auskosten.
Jedes Jahr erscheint der Weltglücksreport, der aufzeigt, wo auf der Welt die glücklichsten Menschen Leben. Die Kriterien dafür beinhalten neben den materiellen Standards, gesellschaftliche Akzeptanz und ja, auch ganz allgemein das Empfinden für Ruhe und Gelassenheit. Regelmäßig stehen die skandinavischen Länder an der Spitze des Rankings. Schweden tummelt sich zumindest immer unter den Top 10, während Norwegen, Island, Dänemark und Finnland sich in den letzten Jahren gegenseitig in ihrem Glück übertrafen.
Warum ausgerechnet die Skandinavier ein so hohes Glücksempfinden aufweisen, ist schwer zu analysieren. Man will das auch kaum glauben, angesichts der Menge an ziemlich brutalen Kriminalromanen, die Skandinavien jedes Jahr auf den Buchmarkt wirft. Aber ein Versuch, diesem Glücksphänomen nachzuspüren lohnt sich, wenn man sich auf die Kultur der Region einlässt.
Die Musik Skandinaviens ist stark mit der Tradition Nordeuropas verbunden. Zwar gibt es zahlreiche Popbands, Heavymusiker und eine ausgeprägte Countryszene, doch hat beinahe jeder Musiker mindestens einen Fuß in der Folklore.
Das Duo Fjarill greift tief hinein in die traditionelle Musik Schwedens. Das ist insofern bemerkenswert, da die Hälfte des Duos einen ganz anderen kulturellen Hintergrund besitzt. Während die Pianistin und Sängerin Aino Löwenmark in Schweden beheimatet ist, stammt die Violinistin Hanmari Spiegel aus Südafrika. Was verbindet die beiden? Dass sie auf einer Linie sind, merkt man schnell, doch das kann sicher nicht daran liegen, dass Kapstadt und Stockholm sich auf demselben Längengrad befinden.
Manchmal ergeben sich Gemeinsamkeiten auf Ebenen, die man nur empfindet und sich nicht erklären lassen. Die Musikerinnen von Fjarill finden diese in der Poesie und der musikalischen Sprache Schwedens, wie sie auf “Midsommar” eindrucksvoll unter Beweis stellen.
Klangvoll und doch dezent zelebrieren sie den wichtigsten Zeitpunkt Skandinaviens, die Mitsommerzeit, wenn die Tage so lang sind, dass die Sonne nur halbherzig hinter dem Horizont verschwindet, um kurze Zeit später ein kleines Stückchen weiter rechts wieder aufzutauchen. Kaum wird es dunkel in Mittelschweden. Noch weniger dunkel wird es weiter nördlich. Die Wälder fangen die Feuchtigkeit der Seen und Flüsse auf und nebeln sich dezent ein. Feen und Trolle erwartet man auf den Wiesen und an den Waldrändern. Luchse und Elche bekommt man mit etwas Glück zu sehen. Eine Stimmung, die Fjarill nicht mit übertriebenen Überschwang wiedergeben. Ihre Art, das Leben zu genießen, ist nicht die des lauten Mitteleuropäers, der Spaß ohne Rücksicht sucht. Bei Fjarill klingt die Lebensfreude, als erkennen sie die Schönheit, die im Augenblick liegt und von der man selbst nur ein verschwindend kleiner Teil ist.
Es ist die Melancholie, dass in allem Schönen eine Vergänglichkeit mitschwingt, die die Musik von Fjarill so unvergleichlich macht. Nahe an der Sagenhaftigkeit sind die Themen ihrer Midsommarlieder. Von Waldnymphen, gefährlichen Frauen, Geistererscheinungen singen sie. Und von der großen Liebe, die man nicht erklären muss. Sie griffen dabei auf schwedische Volkslieder zurück, vertonten Gedichte von Pär Lagerkvist und schufen eigene, neue Lieder für dieses Album. Die wunderbar klare Stimme von Aino Löwenmark und die Reinheit im Spiel der Violine von Hanimari Spiegel sind die Grundlage für alle Lieder. Ergänzt werden sie durch Cello, sehr zurückhaltenden, aber überaus atmosphärischer Perkussion des Tingval-Trio-Drummers Jürgen Spiegel, akustischer, wie elektrischer Gitarre und einem Akkordeon.
“Midsommar” ist eine Liebeserklärung an die Schönheit des Augenblicks, wie man ihn nur mit dem Geist aufzunehmen vermag.

© Karsten Rube 2019 für Radio-Skala & Folkworld

Auf Radio-Skala ist die Musik von Fjarill in der Sendung Nordlichter zu hören.

Neue Songs Kurz Vorgestellt: Andy Clark „But for you“

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Andy Clark

“Welcome to the Party”
&
"But for you"
England 2018/2019
Greywoodmusic

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Der britische Sänger Andy Clark bringt 2019 das erste Album unter seinem eigenen Namen heraus. Dabei wird er auf ironische Weise seine neue Lebenssituation als Vater zu Gehör bringen. Die Single “Welcome to the Party” ist ein erster Hinweis darauf, das Clark mit den musikalischen Vorbildern Beatles und Elvis Costello besten neuen Britpop vorstellen wird. Die zweite Single "But for you" weckt nun noch mehr Vorfreude auf das kommende Album: "I Love Joyce Morris".

Andy Clark ist im April in Deutschland unterwegs, um das Album vorzustellen:

01.04.2019 DE-München, Fox Bar

03.04.2019 DE-Berlin, Barkett

04.04.2019 DE-Bad Salzuflen, Wüstener Krug

05.04.2019 DE-Kiel, Prinz Willy

06.04.2019 DE-Lübeck, Tonfink

07.04.2019 DE-Hamburg, Spielbudenplatz

Auf Radio-Skala sind die beiden Songs zu hören in der Märzausgabe der Neuvorstellungssendung "Frische Fische".

Termin wird noch bekannt gegeben.