Musik zum Rudolstadt Festival 2018 – Playlist Sendung 1

Die Playlist

zur ersten Ausgabe mit Musik zum

Rudolstadt-Festival 2018

Sendung vom 30. Juni 2018 19:00 Uhr

Maija Kauhanen

Finnland

www.maijakauhanen.com

In Skandinavien wird mit traditionellem Musikgut viel selbstverständlicher umgegangen, als in Deutschland. Die Sibelius Akademie in Finnland besitzt einen international stark beachteten Studiengang Folklore. Einige der besten Musikerinnen sind dort ausgebildet worden oder lehren mittlerweile selbst. Maija Kauhanen ist Absolventin der Sibelius Akademie. Ihr Ausdrucksmittel ist zu allererst die Kantele. Doch auch mit ihrer eindrucksvollen Stimme faszinierte sie bereits in der Band Okra Playground und bei Mari Kalkun aus Estland. “Raivopyöra” ist ihr erstes Soloalbum. Auf ihrer Saarijärvi-Kantele kombiniert sie verschiedene Spielstile. Mit ihrer Stimme variiert sie traditionelle Gesangstechniken. Die sieben Stücke des Albums wirken sphärisch, manchmal mystisch. Maija Kauhanen nimmt sich viel Zeit, die musikalischen Themen der einzelnen Songs herauszuarbeiten. Vom kunstvollen Stil wechselt sie selten, aber effektvoll in den Popmodus. Ein bezauberndes Album.

© Karsten Rube 2017 für Radio-Skala & Folkworld

Red Baraat

USA

www.redbaraat.com

Indische Hochzeitsumzüge sind besonders laut. Schließlich will man auch Aufmerksamkeit erringen. Baraat, das Wort für Hochzeitsumzug in der Sprache der Hindi, hat sich inzwischen als eigenständige Musikform von der eigentlichen Aufgabe, Hochzeiten zu begleiten entfernt und weiterentwickelt. Hinter dem Namen Red Baraat verbirgt sich eine Gruppe von energiegeladenen Musikern, die ihre Wurzeln zum Teil in Indien, zum Teil in den USA haben. Jazzmusiker, indische Dholspieler, Blasmusiker treffen in der Gruppe Rad Baraat zusammen und blasen ordentlich zum Marsch. Ob auf Straßenfesten oder Festivals Red Baraat sorgen stets für den Sound, der einen von den Füßen bläst. Das Debütalbum der Band hieß "Chaal Baby" und alle Versuche es leise zu drehen scheiterten. Mittlerweile sind vier weitere Alben erschienen. Diese Musik kann man nur laut hören. Funk trifft auf Dohltrommeln, Latin, Jazz und indische Musik vermischen sich zu einer einzigen heftigen Eruption. Red Baraat besitzen die Energie einer ganzen Palette mit Red Bull Dosen. Was in Europa Shantel oder die Fanfare Ciocarlia anrichten, wenn sie eine Bühne betreten, erledigen in New York Red Baraat.

© Karsten Rube 2012/2018 für Radio-Skala & Folkworld

Cymin Samawatie

Iran/Deutschland

www.cyminsamawatie.de

Die iranische Sängerin Cymin Samawatie verbindet Persische Lyrik mit Jazz und erfindet dabei eine komplett eigene Form der Weltmusik, in der Ost und West eine berauschende Synthese eingehen.

© Karsten Rube 2015/2018 für Radio-Skala & Folkworld

Ganes

Italien/Deutschland

www.ganes-music.com

"Die Ladiner zählen zu den von der Europäischen Union anerkannten sprachlichen Minderheiten der EU und sollten deshalb in den Genuss des europäischen Minderheitenschutzes, insbesondere der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen von 1991 kommen, die insbesondere die „Förderung von Minderheitensprachen in Schulen, in der Verwaltung, vor Gericht und in den Medien vorsieht." So erklärt es Wikipedia, wenn man auf die Suche geht, um sich was über die Sprache der Ladiner erzählen zu lassen. Man muss aber als Bewohner einer Region, in der eine kleine, kaum bekannte Sprache gesprochen wird, nicht erst auf ein übergeordnetes Dekret aus Brüssel warten, bis man seine eigene Kultur sinnvoll zu schützen beginnt. Und so haben sich die drei Musikerinnen der Gruppe Ganes auf den Weg gemacht, ihre Regionalsprache nicht nur zu bewahren, sondern sie in die Welt zu tragen. Das aktuelle Album “An Cunta Che” ist bereits ihre fünfte Produktion.

© Karsten Rube 2018 für Radio-Skala & Folkworld

Fatoumata Diawara

Mali

www.fatoumatadiawara.com/

Die Sängerin aus Mali gehört zu den Künstlerinnen, die Modernität verkörpern und wissen, dass sie aus einer Tradition schöpfen, die sie prägen. Ihre Musik ist vielschichtig, modern und voller afrikanischer Rhythmik. Mittlerweile fühlt sich die Sängerin und Schauspielerin auch auf großen Festivals zu Hause. Im Mai erscheint ihr neues Album "Fenfo"

© Karsten Rube 2018 für Radio-Skala & Folkworld

Le Vent du Nord

Quebec

www.leventdunord.com/

Aus dem französischsprachigen Teil Kanadas sind in den letzten Jahren einige interessante musikalische Entdeckungen über den Großen Teich herüber geschwappt. Doch selbst so erfolgreiche Bands, wie La Bottine Souriante blieben in Europa weitgehend Geheimtipps. Le Vent du Nord aus Quebec haben bereits auf einigen europäischen Festivals gespielt, wie bei der 2012er Ausgabe des Folkfestivals im dänischen Tønder. Nun endlich sind sie auch in Rudolstadt zu erleben. Zudem gehören sie zu den mehrmaligen Gewinnern des kanadischen Grammys, dem Juno. Die Musik die Le Vent du Nord spielt, ist typische traditionelle Musik aus Quebec, bestehend aus mehrstimmigem Gesang, dynamischen Foottapping, Fiddel- und Drehleiertunes. Dabei fetzen sie aber auch modern über die Bühne. Hier wird sich keiner zum Musikhören in einen bequemen Faltsessel setzen wollen. Bewegung ist angesagt.

© Karsten Rube 2018 für Radio-Skala & Folkworld

Naragonia

Belgien

www.naragonia.com/

Schöne Tanzmusik aus Flandern gibt es mit dem Naragonia-Ensemble zu erleben. Seit sich die Musiker 2003 während eines Festivals in Portugal formierten, haben sie ein Repertoire mit zahlreichen Eigenkompositionen im Stile des Bal-Folk aufgebaut. Leise Lieder und energiegeladenen Tanzmusik wechseln sich ab. Tanzbar ist es immer.

© Karsten Rube 2018 für Radio-Skala & Folkworld

Amine und Hamza

Tunesien/Schweiz

www.aminehamza.com

Für alle, die Musik gern einordnen: Bei vorliegendem Album können Sie es getrost bleiben lassen. Amine & Hamza und ihr aktuelles Projekt “Band Beyond Borders” entzieht sich allen einfach zu bedienenden Strukturen. Die beiden Brüder stammen aus Tunesien und leben in der Schweiz. Ihr neues Album “Fertile Paradoxes” kommt zwar zunächst mit klassischem arabischen Klangmuster daher. Oud, Kanun und Tabla spielen Melodien, die dem Morgenland entstammen. Ihr Konzept geht aber darüber hinaus. Kammerorchester, Jazzensemble und europäisches Folkinstrumentarium ergänzen die beiden Virtuosen zu einem Crossoverfeuerwerk, das seinen eigenen musikalischen Regeln folgt. Die Musik von Amine & Hamza ist ein nachhaltiger Klanggenuss, bei dem man das Wort Weltmusik im Kopf hat und wieder einmal bemerkt, dass dieser Begriff viel mehr bedeutet, als man definieren kann.

© Karsten Rube 2018 für Radio-Skala & Folkworld

Elida Almeida

Kapverden

www.elidaalmeida.com/

Musik von den Inseln unter dem Wind, wie die Kapverden manchmal auch bezeichnet werden, kommt von der jungen Sängerin Elida Almeida. Sie ist das jüngste musikalische Highlight vom für seine fantastischen Sängerinnen bekannte Archipel. Von süßen und bitteren Momenten erzählen die Songs der Künstlerin, die Melancholie und Lebensfreude in ihren Melodien zu bündeln weiß.

© Karsten Rube 2018 für Radio-Skala & Folkworld

Mari Kalkun

Estland

www.marikalkun.com

Die Sprache und die Musik des Estlands besitzen eine Eigenständigkeit, die in den baltischen Staaten nie verschwunden ist und die sich nach dem russischen Abzug aus dem kleinen Land ganz wunderbar neu entfalten konnte. Mari Kalkun hat es mit ihren gerade 30 Jahren geschafft, Estlands wichtigster musikalischer Kulturbotschafter zu werden. Ihr aktuelles Album heißt “Ilmamötsan”. Die Kompositionen auf dem Album sind weitgehend von ihr selbst. Dabei besticht, wie hervorragend sich die Künstlerin der alten Melodien bewusst ist. Kaum ein Song hört sich an, als wäre er nicht aus einer alten Tradition heraus geschrieben. Und doch, klingen ihre Lieder neu und frisch. Archaisch wirken manche der Gesänge, fast schamanisch. Dann wieder lässt die 12-saitige estnische Zither, auf der sie meisterhaft spielt, eine liebliche, Trost spendende Stimmung aufkommen. Ihre sanfte Stimme schwebt über allem. Ihr aktuelles Album “Ilmamötsan” ist ein Beispiel dafür, wie man traditionelle Bodenhaftung in die schnelllebige Gegenwart transportiert und dabei weder die Anmut, noch die klare Aussage der Ursprünglichkeit verraten muss.

© Karsten Rube 2018 für Radio-Skala & Folkworld

Curly Strings

Estland

www.curlystrings.ee

Die estnische Folklore trifft bei Curly Strings auf den Folk des amerikanischen Westens. Countryroads mit Geigen und skandinavischer Leichtigkeit. Wunderbar anzuhören und sicher ein Höhepunkt beim Festival in Rudolstadt.

© Karsten Rube 2018 für Radio-Skala & Folkworld

Wenzel

Deutschland

www.wenzel-im-netz.de/

Ein alter Bekannter beim Folkfest in Rudolstadt ist Hans-Eckardt Wenzel. Sein politisches, wie poetisches Auftreten ist konsequent. Seine Lieder lassen die Melancholie hoch leben und die Lebensfreude aktiv werden. Beides passt, solange die Gefühle ehrlich erlebt und die Wahrheit offen gelebt wird. Bei Wenzel tritt beides so klar an Licht, das es manchmal schmerzt.

© Karsten Rube 2018 für Radio-Skala & Folkworld

Omiri

Portugal

www.omiri.eu

Traditionelle Musik mit modernen Beats zu kombinieren ist für die Weltmusik mittlerweile ein gängiger Standard. Kaum einer der sich in der Folk- und Weltmusikszene umhertreibt, lüpft dabei mehr eine Augenbraue. Oft genug wird dabei wild mit den Stilen herumgemixt. Hauptsache es rumpelt am Ende tanzbar. Vasco Ribeiro Casais gehört in Portugal zu den Hauptakteuren, wenn es darum geht Folk und elektronische Trends zu verbinden. Bands, wie Dazkarieh und Seiva brachte er ins Rollen. Das Projekt Omiri ist eher ein Sololäufer von Casais, an dem er alle paar Jahre mal herum experimentiert. Sein neues Album “Baile Electronico” spielt mit verfremdeten Aufnahmen alter portugiesischer Gesänge, denen er Elektrobeats, E-Gitarre und Folkinstrumente untermogelt. Manchmal wird gerappt. Zwischendurch könnte es allerdings auch ein Ableger des glücklicherweise längst vergessenen Stars on 45-Gemixes sein. Die Aufnahmen klingen an einigen Stellen recht spannend, an anderen allerdings nur schräg. »Baile Electrónico ist ein ambitioniertes Album des Soundtüftlers und in Rudolstadt sicher ein Partyakt der Extraklasse.

© Karsten Rube 2017 für Radio-Skala & Folkworld