Der Berndt – Jazz ohne Kompromisse

Der Berndt „Tree of Knowledge

Deutschland 2018 11 Tracks; 61:51 min (Timezone www.timezone-records.com)

Manchmal hört man einen Song, eine CD und fühlt sich sofort an eine frühere musikalische Erfahrung erinnert. Vergleiche sollte man tunlichst lassen, da Künstler ihre eigene persönliche Note finden möchten und man diese nicht mit Vergleichen im Stile von “Klingt, wie …” abtun sollte. Im Falle der Musik von Der Berndt und seinem außergewöhnlichen und experimentierfreudigen Album “Tree of Knowledge” möchte ich trotzdem einen Vergleich anführen, der weit hergeholt scheint. Aber tatsächlich fühlte ich mich beim Hören des Albums an den meist unterschätzten Soundtrack Hollywoods erinnert, nämlich an die von Joe Jackson geschriebene Musik zum Film “Mikes Murder”. Jackson arbeitete damals mit ähnlichem Instrumentarium und brachte eine Stimmung hervor, die auch Der Berndt hervorzurufen vermag. Irgendwas zwischen Traumverlorenheit und verlustbedingter Vergeblichkeit. Nicht gerade ein hoffnungsvoll stimmendes Konzept für ein Jazzalbum. Aber Thomas Berndt lebt musikalisch auf einem eigenen Stern, weit davon entfernt sich konzeptionell reinreden zu lassen. “Tree of Knowledge” ist ungewöhnlich, unangepasst und von starker emotionaler Prägung. Rhythmische Sprünge, Klangspiele mit Hall und Stimmen spielen dabei ebenso eine Rolle, wie der schnelle Wechsel von Klavier auf E-Piano. Wenn man sich das Album mit Geduld und ablenkungsfrei angehört hat, erwacht die Erkenntnis, hier ein Stück unverwechselbaren, ziemlich durchtriebenen Jazz gehört zu haben. Lediglich das CD-Cover ist etwas albern geraten.

© Karsten Rube 2018 für Radio-Skala & Folkworld

Auf Radio-Skala ist die Musik von Der Berndt in der Sendung World-Jazz zu hören.

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