CD-Empfehlung im Februar: Hiss-Südsee, Sehnsucht & Skorbut

Hiss „Südsee, Sehnsucht & Skorbut“

Deutschland 2018
12 Tracks; 44:47 min
Hiss (H’Art)
www.hiss.net

Wikipedia nennt unter dem Unterpunkt: wichtigste Vertreter der Polka Ernst Mosch und Stefan Hiss in einem gedruckten Atemzug. Der eine ein Vertriebener, der andere ein Getriebener. Während der eine seiner alten, verlorenen Heimat nachtrauerte, ist der andere gern weg, meistens unterwegs um, laut Liedtext: “bloß nicht in der Heimat begraben zu werden.” Die weite Welt da draußen hat es Stefan Hiss schon immer angetan. Er spielte in Texas und Mexiko, Rudolstadt und demnächst in Spenge-Bardüttingdorf. Zahllose Reisen haben Stefan Hiss und seine Band geprägt. Das aktuelle achte Album, das die Gruppe Hiss nun veröffentlicht hat, heißt “Südsee, Sehnsucht & Skorbut”. Und ist ein wahres Potpourri der gediegenen Reiseunterhaltung. Diesmal dringt der Blick durch das ausgezogene Fernrohr über die Weiten der Sieben Weltmeere. Seemannsgarn von der akkurat getexteten Art geben sie zum Besten, eingepackt in Melodien, die den gewohnten Polkapfad manchmal verlassen, um auf den feuchten und sandigen Dünenwegen von Reggae, Cumbia und Shanty zu spazieren. “Südsee, Sehnsucht & Skorbut” lässt Fernweh aufkommen und das nicht nur, weil die Texte, denen wieder wunderbar der Spagat zwischen banal und absurd gelingt, von Seefahrerklischees und Abenteurerromantik nur so schäumen. Der “Rum” wird besungen, “Die Christliche Seefahrt”, und Freddy Quinns “Die Gitarre und das Meer” fehlt auch nicht. Dazwischen amüsiert sich die Kapelle bei “Sibirischer Liebe” und reist mit hohem Tempo von “Sansibar nach Santa Fé”. Musikalisch fährt die Gruppe wieder alle Geschütze auf, die man an Bord des Unterhaltungsdampfers Hiss klarmachen kann. Da ist die wandelbare Gitarre von Thomas Grollmus, der den Klang der Hawaiigitarre hervorzubringen vermag, aber auch Reggaeriffs und Westernstyle. Volker Schuh am Bass und der Perkussionist Bernd Öhlenschlägel geben eine bezaubernde Rhythmusgruppe ab, die melancholische Stimmungen ebenso dezent zu untermalen versteht, wie den treibenden Latinsound in der Cumbia “Si no me quieres no me engañes”. Michael Roth ergänzt die Songs mit seinem Mundharmonikaspiel, das zwar gern bluesorientiert ist, doch ohne Probleme in jedem Stile glänzen kann. Stefan Hiss singt mit rotzig frecher Stimme. Er gehört außerdem zu den exzellenten Musikern, die immer so tun, als wäre das Akkordeon nur ein Begleitinstrument zum Gesang. Tatsächlich bringt er virtuos alle Facetten des Instrumentes zum Klingen, fast beiläufig und doch mit hoher Präzision. Hiss’ Album “Südsee, Sehnsucht & Skorbut” ist vollgepackt mit süffisanter Sentimentalität und sonnigem Schalk. Ein echter Hiss.

© Karsten Rube 2018 für Radio-Skala & Folkworld

Auf Radio-Skala ist die Musik von Hiss in der Sendung Heimatklang und in der Sendung des Tagesprogramms  World Day zu hören.

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