Jo Jo Effect – Versuchungen mit Electrojazz

JoJo Effect „Atlantic City Flow“

Deutschland 2018
15 Tracks; 58:46 min
Chin-Chin Records
www.jojo-effect.de

Der Jojo-Effekt schlägt bekanntlich nach zwei Seiten aus. Und das mit sich immer mehr verstärkender Amplitude. Meist ist man nur von einer Seite begeistert. Bei der NuJazz Formation JoJo Effect verhält sich das nicht anders. Solange man ohne deren Musik auskommen muss, sind die Mundwinkel unten. Wenn man endlich wieder was von ihnen hört, hebt sich das Lächeln.
JoJo Effect agieren seit zwölf Jahren in der NuJazz-, Electroclub- und Loungeszene. Sie gehören auf jeden gelungenen Partymix, beleben die Jazzclubs, Bars und geben den gut gelaunten Schlaflosen den Takt der Nacht vor. “Atlantic City Flow” weist musikalisch und stilistisch den Weg in den nächsten Ballroom. Brillante Stimmen treffen auf diesem Album auf exzellente Soundkonstruktionen, Electrosamples auf erstklassige Instrumentalkünstler. Jürgen Kausemann, Kopf des Effects, sitzt an allen Tasteninstrumenten vom Klavier bis zum Computer, zupft die Saiten von Gitarre, Bass und Ukulele. Reiner Winterschladen, Karlos Boes und Lars Kuklinski treiben ihren Atem in die Blasinstrumente ihrer Wahl. Bei allem Respekt vor den Instrumentalkünstlern auf diesem Album, muss ich aber trotzdem die unverwechselbaren Stimmen von Brenda Boykin, der Soulröhre aus Kalifornien, Nelly Simon von Zouzoulectric, Saskia Jonker mit ihrem warmen Timbre und Anne Schnell, der Songwriterin und musikalischen Pulsbeschleunigerin des Projekts deutlich hervorheben. Und natürlich Iain Mackenzie, dem man auf Grund seiner stimmlichen und persönlichen Ausstrahlung nachsagen darf, dass für ihn der Jazz wahrscheinlich erfunden wurde. “More or Less” ist das Herzstück des Albums und wird vom Londoner Sänger Iain Mackenzie interpretiert, wie eine entgleitende Liebesgeschichte. Vorgetragen vor dem hochgeschlagenen Mantelkragen im Nieselregen der voranschreitenden Nacht. (Mehr zum Song „More or Less“ hier … ). Dunkel wird die Stimmung direkt danach bei der Coverversion von “Knights in White Satin”. Ein denkbar passender Anschlusssong. Trotzdem bleibt das Album »Atlantic City Flow« im Gesamtkonzept seinem Stil treu, poppig und witzig, soulig und spritzig zu swingen und grooven.
“Atlantic City Flow” ist die fünfte Produktion des Soundwunders um den Musiker und Produzenten Jürgen Kausemann. Persönlich wirkt sich der JoJo-Effekt von JoJo Effect bei mir bereits so aus, dass die Mundwinkel nun schon grinsend bis zu den Ohren wandern, wenn ich mir ihre Songs anhöre. Wo soll das nur hinführen.

© Karsten Rube 2018 für Radio-Skala & Folkworld

Auf Radio-Skala ist die Musik von JoJo Effect in der Sendung World Jazz und in der Sendung World Dance zu hören.

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