Intellektueller Jazz mit Herz

Hazar
"Reincarnated”

Deutschland 2020
9 Tracks;40:29  min
Edel Records
www.hazar.de

Ulaş Hazar wurde bekannt als Virtuose auf der Langhalslaute Saz. In der Beherrschung dieses Instrumentes war er ein unangefochtener Meister. Die rasanten Läufe, die er auf diesem Instrument zauberte, waren von verspieltem Einfallsreichtum geprägt. Seine Vorbilder hießen und heißen immer noch Aldi Meola, Paco de Lucia und John McLaughlin. Letzter beeinflusste Hazar direkt, indem er ihm den Ratschlag gab, auf Gitarre umzusteigen. Selbst gab Hazar an, nichts mehr zu haben, dass er auf der Saz erzählen könnte. Und so legte Ulaş Hazar nicht nur die Saz beiseite, sondern auch den Vornamen ab.
Hazar beherrscht die Gitarre mit der gleichen Genialität, wie vor dem die Laute. Vielleicht sogar noch besser. Sein Umstieg in den Jazz gelang mühelos, was einerseits bewundernswert ist, andererseits auch einen Verlust für die Weltmusik darstellt. Die Kompositionen auf seinem neuen Album “Reincarnated” sind ausschließlich Klassiker des Jazz. Chick Coreas “Spain” interpretiert er auf dem Album zusammen mit Al Di Meola. George Gershwins “Summertime” setzt er zunächst um, als säße man bei einer entspannten Brise am Fluss. Das einsetzende Klavier lässt die Harmonie etwas aus dem Takt geraten, als weise es darauf hin, dass nicht alles wirklich entspannt ist. Auch die Klarinette versetzt die Stimmung zunehmend in Nervosität. Hazars wieder einsetzendes Gitarrenspiel bringt eine Spur Schwermut in die Melodieführung und das Klavier zerfasert das Lied zum Ende vollständig. Hazar rückt Gershwins Stimmung brillant ins gewollte Bild. “Summertime” - aber es ist nicht alles “Easy”. Äußerst gelungen fädelt sich die Melodieführung auch am Thema von Charlie Parkers Komposition “Donna Lee” entlang. Mike Roelof brilliert dabei am Piano, wie bei den meisten Songs des Albums. Nicht minder perfekt trägt Mehmet Akatays perkussiver Fußabdruck zum Gelingen der Arrangements bei. In Hazars Gitarrenspiel schwingt gelegentlich ein Hauch von Flamenco mit, wie der Geist von Paco de Lucia, Hazars initialen Inspiration.
“Reincarnated” ist perfektes Spiel mit leidenschaftlicher Eleganz. Al Di Meola soll mal gesagt haben: „Jazz ist so intellektuell; er zielt auf das Gehirn, aber rührt nicht das Herz“. Hazar ist auf dem besten Weg, diese Behauptung zu widerlegen.

© Karsten Rube 2021 für Radio-Skala & Folkworld

Auf Radio-Skala ist die Musik vom Hazar in der Sendung World Jazz  zu hören.

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